Rückblick auf die Ferien
Was wurde aus dem offenen Brief?
Wir erinnern uns an den offenen Brief der Fachschaft 05 über einen Artikel im medium², der im StuPa nicht behandelt worden ist, sondern an den Hauptausschuss verwiesen wurde (siehe auch Demo tot – Debatte lebt). Nun ist die vorlesungsfreie Zeit bald vorbei und dieser Brief, um dessen breite Unterstützung der anderen Fachschaften geworben wurde, ist immer noch nicht auf dem Tisch. Wie ich erfahren habe, lag dem Hauptausschuss um August nichts vor, noch nicht einmal eine generelle Antwort vor, was aus dem Brief geworden sei. Naja, nichts wird so heiß gegessen, wie es auf den Tisch kommt.
Qua Vadis Linke.SDS?
Aus ebendieser HA-Sitzung war zu erfahren, dass es bei der Linke.SDS zum Wintersemester einen Wechsel geben wird, da das bisherige und mittlerweile nur noch einzige „Fraktionsmitglied“ ab morgen nicht mehr an der Uni ist. Wir dürfen wohl gespannt sein, wer dafür nachrückt.
Piraten machen ernst
Die Kasseler Piratenpartei scheint die Gründung ihrer Hochschulgruppe zu forcieren (und dieses Blog zu lesen). Was ihnen vielleicht Hoffnung machen könnte: Der R.A.L. haben im Januar rund 2,5% (131 Stimmen) gereicht, um einen Sitz im StuPa zu ergattern.
Corpus Delicti – Der Offene Brief
Nachdem wir gestern schrieben, dass zwar die Demo tot sei, aber die Debatte lebe und die fragliche Ausgabe der AStA-Zeitung medium² verlinkt haben, mag vielleicht auch der Inhalt des Offenen Briefs der Fachschaft 05 interessant sein (inklusive aller Rechtschreib- und sonstiger Fehler der Fachschaft mit den vielen Lehramtsstudierenden):
Offener Brief des Fachschaftsrats 05
Wer ist hier tot?
Als Fachschaft eines Fachbereichs mit vielen Lehramtsstudierenden, als eine Fachschaft, in der Lehramtsstudierende engagierte, aktive und wertvolle Mitglieder sind, deren Mitarbeit wir nicht missen wollen, stellen wir fest:
Die AStA-Referenten für Ökologie und Verbraucherschutz setzen in ihrem Text „Die Demo ist tot“ in der medium² vom Juli 2009 Lehramtsstudierende im besonderem und Kasseler Studierende im allgemeinem herab. Die beiden Autoren verwenden ein anonymes und undifferenziertes Zitat, in dem es heißt, dass „95 % der Lehramtsstudenten [...] Hirnies und ganz einfach zu dumm ..“ und „.. darüber hinaus [...] einfach zu faul und desinteressiert ..“ seien.
Wir verstehen nicht, warum von AStA-Referenten – eigentlich die gewählten Vertreter aller Studierenden der Uni Kassel – eine so unsachliche und beleidigende Aussage zitiert wird. Gänzlich nicht akzeptieren können wir aber, dass die Autoren der Aussage dieses Zitats zustimmen, wenn sie nach dem Zitat unmittelbar anschließen: „Aber es sind nicht nur allein die überaus enttäuschenden LehramtsstudentInnen“. Anschließend greifen die Autoren MaschinenbauerInnen und BauingeneurInnen an und sprechen diesen implizit ein „soziales Gewissen“ ab, bevor sie sich dann allgemein gegen die Studierenden der Universität Kassel wenden.
Unmut und Enttäuschung zu artikulieren, ist sicher legitim und teilweise verständlich; aber so eine wünschenswerte Mobilisierung und Politisierung der Kassler Studierenden erreichen zu wollen, zeugt von Arroganz und der Unfähigkeit mögliches eigenes Versagen zu reflektieren. Seinen Abschluss findet all dies in einem abgedruckten Liedtext der Band Tocotronic, der mit dem Satz „Ich verabscheue euch wegen eurer Kleinkunst zutiefst“ endet. Die Autoren hätten sich besser an der Zeile „Ich will nicht schlecht über euch reden, es ist ja doch nur primitiv“ aus dem gleichen Liedtext halten sollen.
Die Autoren haben sich in einer Art und Weise über Kommilitonen und insbesondere über LehramtsstudentInnen geäußert, die ihre persönliche Eignung als Referenten des Allgemeinen Studierendenausschusses in Frage stellen. Die Reproduktion von Stereotypen ist keine Kritik, sondern Reproduktion von Stereotypen, sonst nichts.
Als Fachschaft des Fachbereichs 05 fordern wir daher, dass ..
- die Autoren sich öffentlich in der medium² und in der Fachschaftenkonferenz bei den Studierenden entschuldigen
- sollten die Autoren sich dazu nicht in der Lage sehen, fordern wir sie hiermit zum Rücktritt auf.
Außerdem wollen wir, dass die Redakteurin des medium² und zugleich Vorsitzende des AStAs erklärt, wie es möglich ist, dass ein solcher Artikel in der kasseler asta + Zeitung erscheint.
Mit freundlichen Grüßen,
Der Fachschaftsrat des Fachbereichs 05
Wenn die AStA-Vorsitzende (zugleich Referat für Öffentlichkeitsarbeit) als Redakteurin des medium² bezeichnet wird, welche Aufgabe hat dann eigentlich ihre Sachbearbeiterin? Mal so am Rande gefragt …
Demo tot – Debatte lebt
Der Leitartikel im Juli-medium² „Die Demo ist tot“ hat einiges an Staub aufgewirbelt, die neueste Entwicklung im gemeinschaftlichen „ausgekotze über den Beitrag“ (gestern viel dieser Begriff auch in meiner Fachschaft) ist ein offener Brief der Fachschaft 05 an den AStA, der letzte Woche erstmals im StuPa auftauchte. Inhalt dieses Briefes, um dessen Zuspruch gerade die Fachschaft 05 bittet, ist nicht nur die Frage, „Wer ist hier tot?“
Stattdessen fordert der Fachschaftsrat 05 stellvertretend für die gesamte Fachschaft die Autoren des Textes (die beiden Ökoreferenten) auf, sich öffentlich in der medium² und in der Fachschaftenkonferenz bei den Studierenden entschuldigen
. Die weitere politische Forderung, begründet mit der aus Sicht der Fachschaft fraglichen persönlichen Eignung als Referenten des Allgemeinen Studierendenausschusses
, ist die Forderung nach Rücktritt, sollten die Autoren sich dazu [zur Entschuldigung] nicht in der Lage sehen
.
Das ist starker Tobak. Eines lässt sich allerdings angesichts der Kontroversen, die – nach eigener Aussage des entsprechenden Referenten bei der StuPa-Sitzung – auch proviziert sind, feststellen: Die Demo mag zwar tot sein, aber die politische Debatte an der Universität Kassel ist quicklebendig. Und das ist erst einmal auch gut so. Die politischen Folgen für die Arbeit dieses AStA werden allerdings interessant zu beobachten sein.
Mindestens genauso interessant dürfte sein, wer diesen offenen Brief unterstützt. Es ist von einigen Fachschaften bekannt, die ebenfalls kontroverse Diskussionen über den Artikel, den Brief und auch den Bildungsstreik an sich geführt haben und sich dabei konträre Meinungen herauskristallisiert haben. Es könnte also letztlich sein, dass die Unterstützerbasis gar nicht so groß wie erhofft ist. Aber wir werden es erleben – auch hier.